Der ganz normale Behördenwahnsinn

Sie sitzen fast wie im Kino auf aneinander gereihten Stühlen und immer wenn eine Melodie ertönt, schaut man sehnsüchtig auf den Monitor. Jeder hofft, der nächste zu sein.

Man betritt das Technische Rathaus in der Prager Straße und kommt in einen großen Warteraum. Dort heißt es, Nummer ziehen und warten. Klar, man hat ja auch nichts besseres zutun. So ist es aber überall in den Ämter der Bundesrepublik. 

Also brav eine Nummer ziehen und warten… warten… warten…

Was macht man mit dieser Zeit?

Die einen lesen Zeitung, die meisten beschäftigen ihr Smartphone, wie wir auch. Andere unterhalten sich, weil sie sich vielleicht kennen oder neue soziale Kontakte knüpfen wollen. Einige stehen auch herum, vertreten sich die Beine oder gehen gar wieder.

Es ist also fast wie beim Arzt, nur mit weniger hüsteln oder grunzender Geräusche beim Nase hochziehen. 

Nach gut zwei Stunden hat das Warten endlich ein Ende. Aber eigentlich müsste man jetzt auch mal auf die Toilette – was für ein Dilemma.

Aber gut, jetzt ist man dran und findet sich in einem größerem Büro mit mehreren Beraterinnen und Beratern ein. Man darf sein Anliegen vortragen. Etwas distanziert und auch kommunikationsunwillig bekommt man schlussendlich alles, was man braucht und kann – sollte – dann auch gleich wieder verschwinden. Nachfragen, ob man auch wirklich jede im Amtsdeutsch Formulierung richtig gedeutet hat, sollte man wenn überhaupt möglichst kurz halten! „Das steht ja so im Brief drin.“ – deutscher kann man nicht Antworten. Fehlte eigentlich nur noch das * zum Kleingedruckten mit „Unter Vorbehalt, dass der Drucker nichts falsches abgedruckt hat, finden Sie die Antwort bereits im zugesandten Brief. Dieser wurde maschinell gefertigt und ist ohne Unterschrift gültig. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.“

Nach ganzen 5 Minuten und ein paar Unterschriften ist alles gesagt und getan. Endlich kann man wieder raus und frische, feinstaub-belastete Frischluft atmen.

Eben der ganz normale Behördenwahnsinn…

❤️🧡💛💚💙💜

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